Die Welt

Der wahre Hauptdarsteller der c23-Romane ist die Welt des 23. Jahrhunderts, wie sie in dem zugrundeliegenden Szenario entworfen wurde. Im Folgenden werden ein paar Einblicke in die prägenden Elemente präsentiert.

Das Sonnensystem

Schauplatz der Handlung ist das irdische Sonnensystem. Interstellare Reisen existieren nicht, von daher spielen extrasolare Systeme und Planeten – auch wenn sie sicherlich faszinierend sind – keine Rolle.
Die Erde ist geprägt von Jahrhunderte langem Raubbau. Natürliche Ressourcen sind rar, der Klimawandel weit fortgeschritten. Der gestiegene Meeresspiegel (ich gehe von etwa 20 Metern aus – das ist hoffentlich nicht realistisch, aber es soll sich ja lohnen) hat weltweit Küstenregionen mitsamt den dortigen Städten überflutet, während sich im Inneren der Kontinente Wüsten über ehemals fruchtbare Regionen ausbreiten. Nukleare Unfälle und (lokal begrenzte) Kriege haben die radioaktive Hintergrundstrahlung erhöht. Umweltgifte verwandeln weite Landstriche in unbewohnbares Ödland. Dennoch ist die Erdbevölkerung mit ca. 20 Milliarden Menschen um ein Vielfaches höher als im frühen 21. Jahrhundert. Das hat zur Folge, dass ein Großteil der Menschheit in riesigen urbanen Ballungszentren, den Metroplexen lebt.
Politisch ist die Erde in eine Vielzahl unabhängiger Nationen aufgeteilt, von denen einige von Konzernen oder konzernnahen Institutionen beherrscht werden. In den übrigen sind zumeist repressive Regierungen an der Macht. Parlamentarische Demokratien, wie sie im frühen 21. Jahrhundert weit verbreitet waren, existieren nicht mehr.
Um die Ressourcen anderer Himmelskörper nutzbar zu machen oder auch nur, um den Verhältnissen auf der Erde zu entkommen, haben die Menschen auf verschiedenen Himmelskörpern des Sonnensystems Kolonien errichtet, in denen im frühen 23. Jahrhundert mehrere hundert Millionen Menschen leben, insgesamt knapp 2 % der gesamten Menschheit.
Ein großer Teil davon ist auf Luna, dem Erdmond, und dem Mars beheimatet. Beide Himmelskörper werden politisch von Konzernrepubliken dominiert und stellen die finanziellen und wirtschaftlichen Zentren des Sonnensystems dar. Die Siedlungen sind zumeist unterirdisch (unterlunarisch und untermarsianisch wäre korrekter, hört sich aber irgendwie doof an) angelegt, um die Bewohner vor kosmischer Strahlung und Meteoriten zu schützen.
Der Asteroidengürtel ist die wichtigste Quelle metallischer und mineralischer Rohstoffe des 23. Jahrhunderts. Über die Millionen Gesteinsbrocken unterschiedlichster Größe sind unzählige Bergwerkskolonien und Erzraffinierien verstreut, während Prospektoren ständig nach neuen lohnenden Vorkommen Ausschau halten.
Weiterhin erwähnenswert sind die Kolonien rund um die Gasriesen Jupiter und Saturn. Auf den Gasplaneten selber wird Helium-3 gefördert, der wichtigste Energierohstoff des 23. Jahrhunderts. Die dazu notwendige Infrastruktur ist zumeist auf den Monden angesiedelt, insbesondere auf Kallisto (Jupiter) und Titan (Saturn).
Neben den Siedlungen auf Planeten und Monden existieren noch zahllose Raumstationen, von winzigen „Konservendosen“ bis hin zu riesigen Ring- oder Zylinderhabitaten mit zehn- oder gar hunderttausenden Bewohnern, in denen durch Rotation Schwerkraft simuliert wird. Die meisten davon befinden sich im Orbit von Planeten oder Monden, doch viele ziehen weitab der natürlichen Himmelskörper ihre Bahn um die Sonne.


Raumfahrt

Die Verbindung zwischen der Erde und den Kolonien erfolgt durch Raumschiffe unterschiedlichster Größe von schnellen Kurierschiffen bis hin zu riesigen Containerfrachtern. Um die gewaltigen Entfernungen zwischen den verschiedenen Himmelskörpern des Sonnensystems in akzeptablen Zeiträumen zu überbrücken, müssen die interplanetaren Schiffe hohe Geschwindigkeiten bis zu mehreren hundert Kilometern pro Sekunde erreichen. Selbst damit dauern Reisen zu den äußeren Planeten Jupiter und Saturn meist mehrere Monate.
Bewerkstelligt wird dies mit thermischen Fusionstriebwerken, die ihre Energie aus der Verschmelzung von Helium-3-Atomkernen oder Helium-3 und Deuterium gewinnen, diese auf die Treibmasse, zumeist Wasser, übertragen, das in Plasma verwandelt und durch magnetische Düsen mit hoher Geschwindigkeit ausgestoßen wird, wodurch das Raumschiff in die entgegengesetzte Richtung beschleunigt (für alle Liebhaber von Ziolkowskis Raketengleichung: Ich gehe von einer maximalen Austrittsgeschwindigkeit von etwa 2.000 km/s aus, entsprechend einem spezifischen Impuls von rund 2,4 Tagen).
Ein interplanetarer Flug besteht üblicherweise aus der Beschleunigungsphase, in der das Triebwerk das Schiff auf die Reisegeschwindigkeit bringt, der Driftphase, in der das Schiff mit der erreichten Geschwindigkeit antriebslos auf einem Transferorbit durch den Weltraum treibt, und der Bremsphase, in der das Triebwerk auf das Reiseziel ausgerichtet wird und das Schiff abbremst, damit es nicht mit hoher Geschwindigkeit am Bestimmungsort vorbeifliegt oder gar damit kollidiert (was für alle Beteiligten eine sehr unerfreuliche Erfahrung wäre). Die Beschleunigung liegt dabei je nach Masse des Schiffes (bei großen Frachtern bis zu mehrere 10.000 t) und Antriebsleistung (üblicherweise im Terawattbereich) zwischen einigen Tausendstel g und mehreren g (1 g = 9,81 m/s² entspricht dabei der Beschleunigung, die ein massebehafteter Körper auf der Oberfläche der Erde erfährt und als Schwerkraft wahrnimmt). Diese Beschleunigung wirkt während der Beschleunigungs- und Bremsphase auf jeden Insassen des Schiffes, weswegen die Decks senkrecht zur Flugrichtung ausgerichtet sind. Während der Driftphase herrscht Schwerelosigkeit, außer, das Schiff verfügt über eine rotierende Sektion, in der, wie auch in den großen Raumstationen, durch Fliehkraft Gravitation simuliert wird.
Die meisten größeren Raumschiffe sind nicht dafür ausgelegt, innerhalb einer Atmosphäre zu operieren oder auf einem Himmelskörper mit hoher Schwerkraft zu landen. Sie nähern sich Planeten nur bis in einen niedrigen Orbit. Die Be- und Entladung erfolgt entweder auf orbitalen Raumstationen oder über Shuttles und Feeder, die den Waren- und Personentransport zwischen Orbit und Oberfläche sicherstellen.
Kämpfe zwischen militärischen Raumschiffen werden primär mit kinetischen Waffen ausgetragen, also Raketen und Kanonen, wobei letztere üblicherweise Railguns oder Gaußgeschütze mit Projektilgeschwindigkeiten bis zu mehreren 10 km/s sind. Laser wären theoretisch auch als Waffen für den Weltraumkampf denkbar, aber ich gehe davon aus, dass bei den hohen Leistungen, die hierfür notwendig wären, so viel Abwärme entsteht, dass das Raumschiff innerhalb kürzester Zeit überhitzen würde, wodurch Laser in der Praxis impraktikabel sind.


Menschen

Attribute wie Rasse und Hautfarbe, anhand derer die Menschen lange Zeit beurteilt und unterschieden wurden, sind im 23. Jahrhundert zumeist nur noch von geringer Bedeutung. Dennoch existieren eklatante, vor allem durch die genetische Ausstattung bestimmte Trennlinien innerhalb der Menschheit, die die Bewohner der Erde und der Kolonien in verschiedene Klassen bzw. Kasten einteilen.
Radioaktive und toxische Verseuchung auf der Erde und kosmische Strahlung in den Kolonien können ohne entsprechenden Schutz erhebliche Schäden am Erbgut verursachen, die Fehlgeburten und Missbildungen zur Folge haben. Die Menschen, die diesen schädlichen Einflüssen in hohem Maße ausgesetzt sind, werden als „Slags“ bezeichnet oder mit anderen, wenig schmeichelhaften Namen bedacht. Sie stellen meist die soziale Unterschicht, leiden unter körperlichen Deformationen sowie Krankheiten, und haben zumeist eine geringe Lebenserwartung.
Wer in einer Umgebung lebt, die gut von allen schädlichen Umwelteinflüssen abgeschirmt ist, oder die finanziellen Möglichkeiten besitzt, grobe genetische Schäden therapeutisch korrigieren zu lassen (oder beides), gehört den „Norms“ an. In Konzernen und technologisch fortschrittlichen Nationen stellen sie zumeist den Großteil der Bevölkerung und die soziale Mittelschicht dar.
Mit deutlich erhöhtem finanziellen Aufwand ist es möglich, das eigene Genom sowie das seiner Nachkommen nicht nur von Fehlern zu bereinigen, sondern die genetischen Eigenschaften gezielt zu beeinflussen, um so körperliche und geistige Höchstleistungen zu erreichen. Die sogenannten „Pure“, die genetisch Reinen, sind die Oberklasse der Menschheit und zumeist in den Chefetagen von Konzernen oder der nationalen Elite zu finden. Sie sind gegen viele Krankheiten immun, besitzen eine erhöhte Lebenserwartung und sind oftmals außerordentlich attraktiv.
Ebenfalls mit einem maßgeschneiderten Genom ausgestattet sind die „Mutanten“, für spezielle Aufgaben konstruierte, in vitro gezeugte und in künstlichen Gebärmüttern, den „Inkubatoren“, ausgetragene Menschen, die in ihrem Aufgabengebiet natürlich Geborenen weit überlegen sind, seien es körperliche oder geistige Tätigkeiten oder der Kampf. Sie sind zumeist Eigentum der Herstellerkonzerne bzw. das von deren Kunden, werden aber für ihre Arbeit entlohnt und können sich im Prinzip freikaufen, was allerdings nur wenigen von ihnen gelingt. In einigen Gesellschaften, insbesondere auf der Erde, ist ihr Einsatz umstritten oder gar verboten. Doch insbesondere in den Kolonien, wo ihre erhöhte Resistenz gegenüber kosmischer Strahlung, Schwerelosigkeit oder hohen g-Kräfte besonders nützlich ist, findet man sie in großer Zahl.
Eine besondere Gruppe innerhalb der Menschheit des 23. Jahrhunderts stellen die „Spacer“ dar. In der Frühzeit der interplanetaren Raumfahrt wurden alle Menschen, die dauerhaft jenseits der Erdoberfläche lebten, so bezeichnet. Doch mittlerweile ist der Begriff weitgehend reserviert für Menschen, die in Schwerelosigkeit oder sehr niedriger Gravitation aufgewachsen sind und als Folge nur über schwach entwickelte Knochen und Muskeln verfügen. Unter Schwerkraft sind sie üblicherweise auf mechanische Hilfskonstruktionen wie Exoskelette angewiesen, um sich fortbewegen und überhaupt agieren zu können. Die meisten von ihnen vermeiden dies aber nach Möglichkeit und leben auf Asteroiden, kleinen Monden oder Raumstationen ohne Rotationssektion, wo ihre körperlichen Einschränkungen nur geringe Auswirkungen haben.
Als letztes sind noch die „Cyborgs“ zu nennen, Menschen mit informationsverarbeitenden oder mechatronischen Implantaten, die ihnen übermenschliche geistige und körperliche Fähigkeiten verleihen. Einige Einbauten wie beispielsweise das neurale Interface, das die direkte Verbindung des Gehirns mit externen oder implantierten Computern ermöglicht, sind mittlerweile derart verbreitet, dass die Träger nicht mehr als Cyborgs wahrgenommen werden. Wie drastisch die kybernetischen Veränderungen sein müssen, um als außergewöhnlich zu gelten, wird je nach regionalem und sozialem Umfeld sehr unterschiedlich bewertet. Der komplette Ersatz von Gliedmaßen oder Sinnesorganen ist aber meist ausreichend, um als Cyborg bezeichnet zu werden.


Konzerne

Im 23. Jahrhundert agieren zahlreiche große Firmen ohne jegliche Einschränkung durch staatliche Gesetzgebung. Diese transnationalen Konzerne verfügen über eigene Territorien auf der Erde oder in den Kolonien und Angestellte, bei denen die Konzernzugehörigkeit der Nationalität rechtlich übergeordnet ist oder diese vollständig ersetzt. Ermöglicht worden ist dies durch den schleichenden Niedergang der meisten irdischen Nationalstaaten im 21. und frühen 22. Jahrhundert. Nachdem in den 2160er Jahren mit China der letzte Machtblock mit traditionellen staatlichen Strukturen in der Bedeutungslosigkeit versunken ist, sah es so aus, als würden die Konzerne endgültig die alleinige Herrschaft über die Menschheit erlangen. Doch in verschiedenen Regionen, insbesondere auf der Erde, haben sich neue Nationalstaaten erhoben, die den Einfluss der Firmen in ihren Territorien beschränkten.
Dennoch stellen die größten der transnationalen Konzerne im 23. Jahrhundert immer noch eine Macht dar, die der von Nationalstaaten gleichkommt. Insbesondere in den Kolonien des Sonnensystems konnten sie mit wenigen Ausnahmen wie beispielsweise den Saturnmonden, wo der Titan-Bund sich etabliert hat, ihren Einfluss bewahren. Die einzigen Gesetze, denen sie in ihrem Handeln unterworfen sind, erlassen sie selber über den Transnationalen Konzernrat, ein Gremium, das die interkorporativen Beziehungen regelt und in direkter Konkurrenz zu den Vereinten Nationen steht. Diese Beziehungen sind jedoch oft alles andere als friedlich. Streitigkeiten zwischen konkurrierenden Konzernen werden nicht mehr nur mit den Mitteln des freien Marktes ausgetragen, sondern oftmals auch militärisch über Söldner oder firmeneigene Streitkräfte. Die Konzernkriege werden meist vertraglich auf bestimmte Regionen oder Geschäftsfelder limitiert, da eine unkontrollierte Ausweitung erhebliche Einbußen an Aktiva und Finanzen bedeuten kann, woran keiner der Beteiligten interessiert ist. Doch gelegentlich fallen alle Grenzen und es kommt zum totalen Krieg, so zuletzt bei den Auseinandersetzungen zwischen dem Shigano-Kombinat und der Koalition der USI in den 2170ern sowie in den Iridiumkriegen.

 


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